Zwangswerbung auf Fehlerseiten abschalten

Eine gängige Methode zur Finanzierung von Angeboten ist es, Werbung auf Webseiten zu schalten.
Es gibt Webhoster, die Rabatte anbieten oder komplett kostenloses Hosting, wenn der Kunde zustimmt, dass auf seiner Webseite Werbung eingeblendet wird.

Das klingt für beide Seiten nach einer guten Lösung und daher ist dieses Modell auch seit mehreren Jahren erfolgreich in der Hosting-Landschaft vertreten.

Eine weniger gute Idee ist es, wenn der Hoster ohne Einwilligung einfach so Werbung schaltet:
Ein großer deutscher Webhoster mit zwei Zahlen im Namen macht dies auf den Fehlerseiten bei vielen seiner Kunden. Diese Kunden zahlen für ein Hosting-Produkt und haben nicht zugestimmt, dass der Hoster Werbung auf ihren Webseiten einblendet. Wenn aber eine Seite aufgerufen wird, die nicht existiert, wird bei vielen Kunden eine Seite mit Werbeanzeigen angezeigt.

Diese Werbe-Einblendungen haben mehrere Nachteile:

  • Der Besucher der Webseite wird auf jeden Fall nachhaltig irritiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass er die Webseite verlässt, ist ziemlich groß.
  • Da die Werbe-Einblendungen kontext-sensitiv sind, kann es sein, dass Links zur direkten Konkurrenz angezeigt werden.
  • Der Ersteller bzw. Betreiber der Webseite bekommt das oft nur von Besuchern mitgeteilt und das hinterlässt keinen guten Eindruck.
  • In der Rechtsprechung ist nicht eindeutig geklärt, ab wann eine Webseite als gewerblich gilt. Es könnte also sein, dass diese Werbung den Ausschlag gibt, zumal für den Besucher nicht klar ist, dass hier der Ersteller der Webseite unschuldig ist. Für gewerbliche Seiten gelten mehr Pflichten, u.a. eine Impressumspflicht. Werden diese Pflichten verletzt, könnte das Risiko einer Abmahnung gegeben sein.

Der Schaden lässt sich in aller Regel nicht beweisen, also dürfte eine Forderung nach Schadensersatz im Sande verlaufen. Aber es gibt auch eine gute Nachricht:
Der Webseiten-Betreiber ist dem Webhoster nicht ausgeliefert. Er kann die Werbe-Einblendungen stoppen. Dazu gibt es zwei Lösungs-Möglichkeiten:

Die erste Wahl sollte ein höflicher (!) Anruf bei dem Webhoster sein. Nach meinen Informationen reicht dies bereits aus, um die Werbung zu stoppen.

Sollte das wider Erwarten nicht helfen, gibt es auch eine technische Lösung. Sie besteht darin, dass nicht vorhandene Seiten auf die Startseite (oder eine andere Seite) umgeleitet werden. Somit bekommt der Webseiten-Besucher keine fremden Werbe-Einblendungen zu Gesicht.
Dazu ist die Erstellung einer „.htaccess“-Datei notwendig. Diese Datei wird dann im obersten Web-Verzeichnis gespeichert und enthält diesen Code (example.org durch die eigene Domain oder Fehlerseite ersetzen):

ErrorDocument 404 http://www.example.org/
<IfModule mod_rewrite.c>
RewriteEngine on
RewriteCond %{REQUEST_FILENAME} !-f
RewriteRule ^(.*).php$ http://www.example.org/ [R=301]
</IfModule>

Wer sich mit den Anweisungen ein wenig auskennt, wird wahrscheinlich sagen: „Das ist doch doppelt!“ – und hat völlig Recht.
In einigen Fällen wurden php-Dateien erst mit diesen Anweisungen umgeleitet. Wer möchte, kann auch nur die erste Zeile übernehmen. Wenn es klappt – wunderbar 😉